Espressotrinker haben’s schwer

by admin on 10.3.2008

16_21b.jpgEigentlich sollte man ja meinen, es seien goldene Zeiten für Kaffeetrinker angebrochen. Jeder Bäcker und jede Imbissbude bietet heutzutage “Coffee to Go” feil (der allerdings meist lieber “Coffee to Run Away” heißen sollte), und die Frage nach einem Espresso nach dem Essen im Restaurant wird schon lange nicht mehr mit einem ratlosen Blick beantwortet. Doch bei näheren Hinsehen entpuppt sich so ziemlich jeder Espresso, der nicht in einem italienischen Restaurant oder Café ausgeschenkt wird, als Etikttenschwindel.

In den meisten Fällen kommt der sogenannte Espresso auf Knopfdruck aus einem mehr oder weniger formschönen Plastik-Kasten, dem sogenannten Vollautomaten. Wenn man das mit etwas Glück von einem blassen Schaumkrönchen gezierte Getränk kostet, fühlt man sich zwar irgendwie entfernt an den letzten Italien-Urlaub erinnert, aber so ganz das Wahre scheint es dann doch nicht zu sein. Aber warum? Es ist doch es Espresso. Oder eben gerade nicht!

Die Hersteller von Vollautomaten brüsten sich gerne mit “15 Bar Pumpendruck”, den ihre Apparate hervorbringen können. Damit muß es doch verdammtnochmal möglich sei, einen gescheiten Espresso zu erzeugen. Denkste. Erst einmal sind die berühmten 15 Bar nur die Maximalleistung der Pumpe. Das ist ähnlich wie bei der Wattzahl der Stereoanlage. Wenn 200 Watt draufstehen, werden die nur verbraucht, wenn man Death Metal auf maximaler Lautstärke hört. Die Pumpe einer Espressomaschine erzeugt nur soviel Druck, wie benötigt wird, um den Widerstand des Kaffeepulvers im Sieb zu überwinden. Und da werden selbst bei den klassischen Siebträger-Maschinen bestenfalls 10 oder 11 Bar benötigt. Dummerweise sind die Innerein der Vollautomaten aus Plastik und bedingt durch das Bauprinzip liegen am Sieb vielleicht 4 oder 5 Bar an. 10 Bar also für die Katz. Davon sagen uns die Saecos und Juras und wie sie alle heißen natürlich nichts.

Das Resultat ist ein espressoähnliches Getränk, daß viel zu schnell durch die Maschine rauscht, um genügend Aromastoffe aus dem Kaffeepulver aufzunehmen. Zu schnell rauscht es übrigens, weil die eingebauten Mühlen, mit denen so stolz geworben wird, die Bohnen leider nicht fein genug mahlen können. Das Nationale Italienische Institut für Espresso (ja das gibt es wirklich!) definiert als Espresso eine Menge von ca. 7 Gramm Pulver, durch das ca. 25 ml Wasser in ca. 25 Sekunden mit ca. 9 bar gepresst werden.

Und da wären wir gleich beim nächsten Fauxpas. 25 ml sind nicht besonders viel. Nicht viel mehr als ein Schnäpschen, bestenfalls eine halbe Espressotasse voll. Und weil in Deutschland keine halben Sachen gemacht werden, wird die Tasse natürlich voll gemacht. Das einzige was bei den Vollautomaten stimmt, sind die 7 Gramm Pulver, die dadurch natürlich den Espresso bis zur Unkenntlichkeit strecken. Aber es gibt ja auch sooo viele Kunden, denen der Kaffee sonst zu stark wäre. Da schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Tasse Klappe: Tasse voll und Kunde zufrieden.

Wer nicht lange nach gutem Espresso suchen wil, kommt um die Anschaffung einer “richtigen” Espressomaschine auf Dauer nicht herum. Leider sind die nicht ganz billig. Und nicht zu vergessen braucht man auch noch eine Mühle, die den Anforderungen gewachsen ist; ebenfalls nicht ganz billig. Aber “zum Glück” sind Vollautomaten auch ganz schön teuer, da macht das eigentlich keinen Unterschied.

Teetrinker haben es da deutlich leichter. Sobald Tee von guter Qualität vorhanden ist, ist der einzige entscheidende Faktor die Brühzeit. Beim Espresso spielen so viele verschiedene Faktoren zusammen, dass es schon eine Wissenschaft für sich ist. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

PS. Das Kaffee-Netz ist eine geeignete Anlaufstelle für alle, die über den Tassenrand hinausschauen möchten.

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sika von kaffeevollautomat24.com 26.11.2010 um 18:51

stimme dir absolut zu. Bei den meisten Kaffees oder Espressos auf der Straße bin ich völlig enttäuscht gewesen

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