Whisky – Konzentrierte Gerste

by admin on 25.3.2008

Die Gerste ist schon ein ganz besonderes Pflänzchen. Als Getreide taugt sie zum Brotbacken ja nicht besonders. Welch glückliche Fügung war es da, dass man schon vor vielen Jahrhunderten entdeckt hat, dass sich aus dem Malz der Gerste gar köstliche berauschende Getränke bereiten lassen. Zum einen ist da natürlich das Bier, dessen unvergleichliche Stellung nicht zuletzt daher rührt, dass es gleichermaßen Durstlöscher wie Genussmittel sein kann. Doch hier soll von einem anderen Gerstensaft die Rede sein, dem Whisky.

So ganz genau weiß es heute keiner mehr, aber vermutlich haben irische Mönche im frühen Mittelalter herausgefunden, daß destillierte Gerstenmalzmaische ein prima Schnäpschen ergibt, das Lebensgeister weckt. Also nannten sie es uisge beatha (”Lebenswasser”), woraus sich vor ein paar hundert Jahren dann der heutige Name entwickelt hat.

Nun gibt es ja der Lebenswässer ziemlich viele. Die Skandinavier schwören auf ihren Kümmelschnaps Aquavit, die Russen und Polen trinken das Wässerchen Wodka (eigentlich nur ein schnöder Korn), und die Franzosen verstehen unter Eau de Vie jegliche Arten von Obstwässern. Dazu kommen vielerlei andere Destillate, vom Rum über chinesischen Hirseschnaps bis zum Grappa und was nicht noch alles.

Eines aber hebt den Whisky aber über alle seine Verwandten heraus: die Einfachheit des Rohstoffes im Vergleich zur Komplexität des Endproduktes. Der aufmerksame Leser wird schon bemerkt haben, dass mich gerade dieser Aspekt bei Lebensmitteln immer wieder fasziniert. Hier meine ich allerdings nicht die verschnittenen Whiskies für den Massenmarkt à la Chivas Walker oder Johnny Rauchzart sondern die Single Malts einzelner Brennereien.

Wenn man eine reife Traube oder Kirsche isst, kann man sich gut vorstellen, dass man daraus einen guten Schnaps brennen kann. Beim Zerkauen eines Gerstenkorns muss man die Phantasie da schon ein wenig stapazieren. Dazu kommt, dass die geschmackliche Bandbreite der Whiskies überraschenderweise ungleich größer ist als bei anderen Destillaten. Auch das trägt zur Faszination bei, die Whisky auf mich ausübt. Kirschwässer oder Weinbrände bewegen sich da in vergleichsweise engem Rahmen. Beim Whisky reicht die Spanne vom milden Grain Whisky über die “grasigen” Lowlands und fruchtigen Speysides bis zu den “Torfbomben” der Insel Islay. Dabei gibt es überraschende Geschmacksnoten zu erleben. So wird Laphroaig wird zuweilen mit “Medizinschrank” assoziiert; Talisker hat eine pfeffrige Note, die von der speziellen Form der Brenblase herrührt (wobei niemand genau weiß, was genau darin passiert); in Mortlach finden sich sogar “fleischige” Aromen, es gibt also sogar einen richtigen Umami-Whisky!

Ganz eklatant wird die Sonderstellung des Whiskys deutlich, wenn man ihn mit seinem entfernten Verwandten, dem Wodka vergleicht. Auch er wird aus Getreide gebrannt (vornehmlich ungemälztem Weizen und Roggen), aber hier wird versucht, dem reinen Alkohol-Geschmack so nahe wie möglich zu kommen. Durch mehrfache Filterung will man alle “störenden” Einflüsse ausmerzen. Undenkbar beim Whisky, wo man in den Brennereien händeringend nach gebrauchten Sherry- und anderen Fässern sucht, in denen sich der “Spirit” während der jahrelangen Reifung mit den im Holz gebundenen Aromen verbindet und so erst zum Whisky wird. Bezeichnend für den Gerstenmalzbrand ist seine enorme Fähigkeit, sich mit den unterschiedlichsten Einflüssen anzureichern, ohne dabei aber seinen eigenen Charakter zu verlieren.

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