Warum geht man in ein Café? “Na um Kaffee zu trinken!” wird der geneigte Leser jetzt vielleicht sagen. Ist ja auch ein vernünftiger Grund. Es gibt aber auch Cafés, bei denen der Kaffee zu Nebensache wird. Ein Musterbeispiel hierfür ist das Café Frischhut in München.
Zum Kaffeetrinken muß man wirklich nicht ins Frischhut gehen, den gibt es anderswo besser. Ausgeschenkt wird ganz banaler Filterkaffee, den man zuhause mindfestens genausogut hinbekommt. Auch das Interieur – irgendwo zwischen Bauernstube und Bahnhofsgaststätte – ist wahrlich nichts Besonderes. Aber dennoch ist das Café Frischhut eine Münchner Institution. Denn es gibt hier etwas, für das man sehr weit laufen muss, um es in vergleichbarer Qualität zu bekommen.
Die Rede ist von den sogenannten Schmalznudeln, die auch gerne “Auszogene” genannt werden. Das sind nichts anderes als Krapfen aus Hefeteig, die zu einem Ring auseinander gezogen werden, wobei in der Mitte eine hauchdünne Teigschicht bleibt. Sie werden dann in heißem Fett ausgebacken. Eigentlich ist das ja wirklich nichts Besonderes. Noch nicht einmal gefüllt wie Berliner sind die Dinger, und die hat ja eigentlich jeder Bäcker im Angebot. Und in Bayern gibt es die lokale Variante als Auszogene auch fast an jeder Ecke.
Nur irgendwie schmecken hier die Schmalznudeln erheblich besser als anderswo. Woran das liegt? Vor allem wohl, weil sie nicht einfach in die Friteuse gesteckt werden, sondern “liebevoll” in einer großen Pfannne mit heißem Fett ausgebacken werden. Dazu kommt ein jahrzehntelang bewährtes Rezept für den Teig, und fertig ist die Köstlichkeit.
Und wenn man dann das Glück hat, eine Schmalznudel direkt aus dem heßen Fett zu erwischen, ist der Weg in den siebten Himmel nur noch halb so lang. Es braucht wirklich nicht viel, um einen kulinarischen Hochgenuss zu schaffen. Man muss es einfach nur richtig machen. Nur wenn das Einfache denn immer so einfach wäre…
Café Frischhut
Prälat-Zistl-Str. 8 (neben der Schrannehalle)
80331 München