Im Grunde genommen ist Whisky ja nichts anderes als im Fass gereifter Korn. Und im Grunde genommen ist Wodka auch nichts anderes als Korn; er darf zwar prinzipiell aus allen landwirtschaftlichen Produkten hegestellt werden, allermeistens ist dies aber Getreide. Whisky und Wodka unterschieden aber sich nicht nur durch ihr Aussehen und ihren Geschmack. Wenn man sich die Sache genauer betrachtet, prallen hier zwei grundsätzlich entgegengesetzte Philosophien aufeinander.
Whisky ist ja wie bereits erwähnt ein ideales Getränk für den Mampfolgen. Aus einer einfachen Zutat wird durch ein über Jahrhunderte optimiertes Verfahren ein Maximum an Geschmack herausgekitzelt, und das in einer Bandbreite, die überwältigend ist.Verantwortlich für den Geschmack sind einerseits die vielfältigen Aromastoffe, die durch den altertümlichen Destillationsprozess in den kupfernen Pot Stills aus der Maische erzeugt werden, und andererseits all die Stoffe, die während der jahrelangen Lagerung in Eichenfässern aus dem Holz heraus gelöst werden. Beim schottischen Whisky kommt noch dazu, dass die Fässer in aller Regel vorher mit einem anderen Getränk gefüllt waren (meist Sherry oder amerikanischer Bourbon-Whiskey) Natürlich tragen auch die in der Fasswand verbliebene Reste wesentlich zum Geschmack des Whiskys bei. Kurz gesagt versucht man beim Whisky, so viele Aromastoffe wie möglich in das Endprodukt zu bekommen.
Ganz anders sieht es dagegen beim Wodka aus. Hier werben die Hersteller allesamt damit, wie “rein” ihr Wässerchen ist. Durch zigmalige Destillation und Filterung soll jede “Unreinheit” ausgetrieben werden, ja selbst das verwendete Wasser wird allerlei Behandlungen unterzogen, um es dem reinen H2O so nah wie möglich kommen zu lassen. Natürlich wird vor allem in Osteuropa Wodka gepanscht, was das Zeug hält, und natürlich ist es legitim, dass die seriösen Hersteller sich davon auch werbemäßig abgrenzen. Aber die Grundphilosphie gerade der teuren Edel-Wodkas geht ja so weit, dass man sich einer möglichst perfekten Mischung von 40% C2H6O und 60% H2O annähern möchte. Jeglicher “Fremdgeschmack”, der im Whisky so willkommen ist, ist absolut unerwünscht.
Dies führt zu einer paradoxen Situation. Whisky ist – natürlich vereinfacht ausgedrückt – um so teurer, je komplexer der Geschmack ist, während es beim Wodka genau umgekehrt ist. Erklären kann ich mir das nur durch den Gegensatz von Genuss-und Wirkungs-Trinken. Whisky trinkt man wegen des Geschmackserlebnisses, die physiologische Wirkung des Alkohols wird zwar in Kauf genommen, manchmal aber sogar eher als lästig empfunden, weil sie den Genuss früher oder später mehr behindert als verstärkt. Wodka wird dagegen meist verwendet, um einfach Alkohol zu sich zu nehmen, sei es zum Aufpeppen von Mixgetränken und Cocktails, oder sei es pur. Der Rausch ist das Ziel, im Extremfall führt das zum berüchtigten Komasaufen.Ich habe bisher noch niemanden kenngelernt, der Wodka einzig wegen des Genusses trinkt. Es gibt sicher den einen oder die andere, sie werden aber bei den Wodka-Trinkern in der absoluten Minderheit sein.
Welchen Weg man einschlägt, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Aus Sicht des Mampfologen ist Whisky – insbesondere Single Malt – allerdings mit Sicherheit das geeignetere Getränk
{ 4 comments… read them below or add one }
Da lob ich mir meinen White Rushen – und wodka macht keine “Fahne”
Jetzt lese ich erst, dass du glaubst, dass keiner Wodka des Genusses wegen trinkt! Kein Spaß, ich genieße meinen White Rushen mit Kahlua, Wodka und Milch oder Sahne. Sag nicht, dass man Wodka nicht genießen kann.
Das widerspricht sich überhaupt nicht. Mir geht es nur um den Genuß beim Wodka Pur. Wodka-Cocktails können natürlich lecker schmecken. Aber was du da schmeckst, sind hauptsächlich die anderen Zutaten. Der Wodka dient nur dazu, den Akoholgehalt zu steigern. Wie oft schenkst du dir ein Glas Wodka pur ein und genießt den Geschmack?
Großartig, dass es solche Bloggs gibt