Wie genießt man richtig ?

by admin on 8.7.2009

Im TWS-Forum gab es kürzlich eine Diskusison darüber, ob sich unser Geruchs- und Geschmackssinn mit der Zeit so sehr an kräftige Aromen (zum Beispiel rauchigen Whisky) gewöhnen kann, dass dies eine Abstumpfung der Sinne zur Folge hat. Es war allgemeiner Konsens, dass dies durchaus so sein kann, und damit wird der Blick auch auf ein generelles Problem der Gesellschaft gelenkt.“So tauml’ ich von Begierde zu Genuß, und im Genuß verschmacht’ ich nach Begierde” klagt schon Goethes Faust im gleichnamigen Drama. Was will uns der Dichter damit sagen? Er begehrt etwas, und wenn er es hat, kann er es nicht richtig genießen, weil er schon wieder den nächsten “Kick” sucht. Er ist sogar bereit, einen Pakt mit Mephisto zu schließen, nur um aus diesem sprichwörtlichen Teufelskreis herauszukommen; und das ist ihm sogar Wert, danach in der Hölle zu schmachten.

Wer abstumpfende Sinne mit einem immer intensiveren Erlebnis zu bekämpfen sucht, wird auf Dauer in diesen faustischen Teufelskreis geraten und Gefahr laufen, süchtig zu werden nach diesem immer stärkeren Kick. Auf den Whisky bezogen ist dies sicher ein Grund für den Erfolg hochpreisiger junger und extrem getorfter Single Malts wie Octomore von Bruichladdich oder Supernova von Ardbeg. Aber dieses Phänomen ist beileibe nicht auf Essen und Trinken beschränkt, sondern zieht sich durch alle Bereiche des Lebens.

Wahrer Genuß kann nur bedeuten, innezuhalten und das zu schätzen wissen, was man hat. “Zum Augenblick zu sagen: Verweile doch, du bist so schön”, wie Faust das Gefühl beschreibt, nach dem er sich so sehnt. Anstatt bei aufkommender Abstumpfung eine Richtung bis zum Letzten auszureizen, sollte man den Blick besser auf etwas ganz anderes lenken. Dabei gibt es in der Regel viel mehr zu entdecken. Und wenn man zurück kommt, gewinnt man dem scheinbar Altbekannten vielleicht sogar ganz neue Seiten ab.

Leave a Comment

Previous post: Verkostet: Zwei mal Tomintoul

Next post: Verkostet: Dalmore und Aberlour mit Sherry